Sonntag, 10. Februar 2008

Rettet das letzte Telefonhäuschen in Ramersbach

Erst die Bäume dann das Telefonhäuschen ???

In Ramersbach steht in der Ortsmitte, neben der Pfarrkirche St. Barbara, direkt an der Landesstrasse ein gelbes Häuschen.



Was hat dieses aus dem letzten Jahrtausend stammende kleine Häuschen mit einer Grundfläche von etwa einem Quadratmeter für eine Funktion?

Ein Telefonhäuschen (TelH), fachlich als Telefonzelle bezeichnet, ist ein wetterfestes kleines Haus mit Beleuchtung. Als Besonderheit ist anzumerken, dass das Ramersbacher Telefonhäuschen Knall-Gelb (Signal-Farbe) angestrichen ist. Wann die Grundsteinlegung für das (wahrscheinlich) einzige Telefonhäuschen in Ramersbach war, ist nicht überliefert. Es wird um Hinweise aus der Bevölkerung gebeten.



Das Telefonhäuschen bietet 3 erwachsenen Personen (oder 4 Kinder) Platz, besitzt aber keine Gardinen, keine Bestuhlung und keine Heizung. Obwohl mit einem wetterfesten Dach ausgestattet, hat das Telefonhäuschen keine ständigen Bewohner und auffallend für Deutschland auch keine Hausnummer.
Das Telefonhäuschen vom Typ TelH78 aus Bundespost-Zeiten gehört jetzt der Firma Telekom aus Bonn am Rhein.

Was macht der Ramersbacher und oft auch auswärtige Reisende in dem Telefonhäuschen?



Da an dessen innerer Rückwand ein so genannter Telefonapparat angebracht ist, erkläre ich zuerst mal, was es mit dieser Vorrichtung auf sich hat:

Der Telefonapparat oder Telefon (v. griech.: têle = fern, weit + phon-- = Stimme) wird auch Fernsprecher oder wie der Fachmann sagt Fernsprechapparat genannt. Er ist ein Kommunikationsgerät zur Übermittlung von Tönen und speziell von Sprache Mittels elektrischer Signale (früher über ein elektrisches Drahtnetz, heute auch über Funkwellen) zwischen entfernt wohnenden Menschen (Fernsprecher). Die meisten Telefon-Apparate sind in Wohnungen und Büros anzutreffen. Telefon-Apparat ohne Draht-Netzanschluss könne auch in der Hand- oder Hosentasche mit geführt werden, d.h. sie sind "Mobil" und werden beim mobilen Übermittleln von Tönen und Sprache in der Hand gehalten und daher auch "Hand-y" genannt.

Im Gegensatz zu diesen Privat-Telefon-Apparaten ist der Apparat in dem Telefonhäuschen ein "öffentlicher" Fernsprecher und kann dort von allen Ramersbacher und Auswärtigen genutzt werden.

Das Fernsprechen kostet in Abhängigkeit von der Dauer der Nutzung viel Geld. Daher war noch bis in die 90er Jahre ein Warnschild mit der Aufschrift "Fasse dich kurz !" im Inneren des Telefonhäuschen angebracht.



Auch im Ramersbacher Telefonhäuschen fallen Gebühren beimFernsprechen an. Im letzten Jahrtausend musste vor dem Fernsprechen ausreichend Münzgeld in den Auffangbehälter im Apparate-Inneren (ähnlich einer Sparbüchse) geworfen werden. Bei dem jetzt montierten Apparat wird das Ferngespräch mit einer Wertmarke aus Plastik und Metall bezahlt. Der Erlös erhält die Firma Telekom in Bonn.



Nach der Eingabe einer eindeutigen Zahlenfolge (auch Telefonnummer genannt) über die Zahlentasten des Apparates kommt ein Ferngespräch aus dem Telefonhäuschen zu dem entfernt wohnenden Gesprächpartner zustande. Dafür muss auch der Entfernte sich eines Telefon-Apparates bedienen und Willens sein, das Ferngespräch anzunehmen. Gesprochen und auch Zugehört wird mit Hilfe eine "Knochenähnliche" Konstruktion, dem sogenannten "Hörer", der mit dem Apparat über eine Schnur verbunden ist.



Kenne ich die Zahlenfolge für den Verbindungsaufbau zum entfernten Ferngesprächspartner nicht auswendig, so kann man ein einem, im Telefonhäuschen befestigten Buch (Listen von tausenden Fernsprecher) nachsehen. Dieses Buch wurde aber im Ramersbacher Telefonhäuschen entwendet und dient wahrscheinlich in einem Privathaushalt der Ergänzung der Bibliothek. Der im Telefonhäuschen angebracht "Notrufmelder-Hebel" (Hebel nach links ruft die Feuerwehr. Hebel nach rechts ruft die Polizei) ist von Unbekannten abmontiert wurden und wird evt. privat zu Hause benutzt.



Wofür dient der Gelbe Kasten neben dem Telefonhäuschen ?

Der gelbe Kasten, auch Briefkasten genannt, rechts neben dem Telefonhäuschen ist ein besonderer Service der "Deutschen Bundespost". Um Sicher zu gehen, das der Inhalt des Ferngespräches auch wirklich in Ferne ankommt und auch verstanden wird, kann man das Gesprochene niederschreiben. Anschließend wird dieses Niederschrift in klassischer Briefform (nicht E-Mail) in den Briefkasten der Bundespost geworfen (evt. den Brief mit einer Wertmarke versehen), um dann per Bote zum Gesprächspartner gebracht zu werden.



Wie geht es in Zukunft weiter mit dem Ramersbacher Telefonhäuschen ?

Das erste Telefonhäuschen wurde 1881 in Berlin errichtet. Aber mit der stetigen Verbreitung der "Hand-y"-Telefonapparate sind die gelben Telefonhäuser aus Bundespostzeiten in Deutschland kaum noch anzutreffen. Der Betrieb ist für den Besitzer nicht mehr so gewinnbringend.




Auch das Ramersbacher Telefonhäuschen ist gefährdet. Daher schützt unser Telefonhäuschen!!

Ramersbacher seit wachsam !!



Übrigens im Telefonhäuschen kann man noch anonym und ohne Einzelverbindungsnachweis und ohne gezeilt abgehört zu werden ein Ferngespräch führen.Das Telefonhäuschen hilft auch bei Kommunikationsschwierigkeiten, wenn der private Telefonanschluss aus Liquiditätsgründen mal wieder gesperrt ist. ;-)

PS: Sollte der jetzige Besitzer das Telefonhäuschen aus Rentabilitätsgründen nicht mehr in Ramersbach betreiben wollen, könnte evt. der Bürgerverein das Telefonhäuschen kaufen und in Eigenregie für Ramersbach betreiben.

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